Wingst, der 25. August 2011
Durchs Feuer gegangen ...
Nach einem schweren LKW-Unfall gaben die Ärzte 2006 dem damals neunjährigen Hannoveraner Wallach Elton John v. Acorado-Granus kaum noch eine Überlebenschance. Jetzt ist das Springpferd aber wieder topfit und schon wieder mehrere Jahre im Springsport erfolgreich. In diesem Jahr gewann Elton John mit seinem Reiter Hergen Forkert sogar den Großen Preis beim 104. Dobrock-Turnier.
„Das muss wohl Schicksal gewesen sein,“ erinnert sich der 37-jährige Hergen Forkert, „denn eigentlich war Elton damals schon nach Amerika verkauft.“ Die Wege von Pferd und Reiter hätten sich also zwangsläufig getrennt. So traurig und prägend das fürchterliche Ereignis auch gewesen sein mag, heute sind alle Beteiligen froh, noch zusammen zu sein.
Auf der Rückkehr vom Reitturnier 2006 in Elmlohe brach im LKW von Hergen Forkert ein Brand aus. „Ein Funkenflug des Lüfters muss wohl bei hohen Außentemperaturen den Transportraum meines LKWs in Brand gesetzt haben. Darin standen meine beiden Pferde Elton John und Gem Twist. Als ich endlich auf der Autobahn anhalten konnte, brande der LKW lichterloh.“ Der zehnjährige Gem Twist hatte starke Verbrennungen am ganzen Körper, konnte aber relativ schnell befreit werden, da er durch die Seitentür nach draußen konnte. Aber Elton John war mit dem Kopf nach vorn angebunden. Für Forkert gab es durch die starke Hitze- und Rauchentwicklung keine andere Chance, als Elton John am Schweif aus dem hinteren Teil des LKWs zu ziehen.
„Diesen Anblick werde ich in meinem ganzen Leben nicht vergessen, Elton John lag mit den Hinterbeinen schon fast auf der Fahrbahn, war aber noch fest angebunden und ich hatte keine Möglichkeit ihn loszumachen. Sein ganzer Kopf steckte noch im Feuer. Aber irgendwie hat er es dann von selbst geschafft, sich aus dem LKW zu befreien.“ Traumatisiert und völlig panisch liefen die beiden Pferde dann über die Autobahn. Mit selbst gebastelten Halftern aus Bandagen konnte Forkert Gem Twist und Elton John aber schließlich wieder eingefangen. Mit seinem zweiten Transporter, der in der Zwischenzeit am Unfallort eingetroffen war, wurden die beiden Pferde sofort in die Klink nach Sottrum gebracht.
Dort bot sich den Ärzten und Forkert ein grausiges Bild. Die Köpfe der beiden Pferde waren stark angeschwollen, und fast das gesamte Kopffell von Elton John war bis aufs Fleisch verbrannt. Bei Gem Twist waren die Brandstellen nicht so stark ausgeprägt, erst später löste sich bei ihm über den ganzen Körper verteilt an vielen Stellen das Fell. In diesem Zustand konnte vor allem Elton John kaum atmen, geschweige denn Nahrung selbstständig zu sich nehmen. Die Ärzte hatten kaum Hoffnung, dass Elton überleben würde. Der Tierarzt von Hergen Forkert machte dann aber den rettenden Vorschlag. Bei Elton wurde ein Luftröhrenschnitt angesetzt, damit der Wallach überhaupt wieder Luft bekam. Die damit verbundene notwendige Atemtechnik erlernte das stark verletzte Pferd glücklicherweise schnell. So blieb er am Leben.
Damit war die Leidensgeschichte vor allem für die Pferde, aber auch für Hergen Forkert noch lange nicht zu Ende. „Wir sind jeden Tag in die Klinik gefahren. An den ersten zehn Tagen konnte Elton überhaupt nichts sehen, so haben wir viel mit ihm gesprochen, damit er merkte, dass wir ihn nicht im Stich lassen.“ Aber auch, dass die beiden Pferde beieinander standen, wirkte positiv auf ihren Heilungsprozess. Täglich wurden die Wunden am Kopf von Elton behandelt und mit Salben eingerieben. Zunächst wurde er künstlich mit Infusionen ernährt, bis er schließlich wieder erste kleinere Portionen von nassem Heu zu sich nehmen konnte. Gem Twist musste sogar die ersten 14 Tage fest angebunden in seiner Box stehen bleiben. Umso dankbarer waren die beiden Pferde, als sie nach Wochen wieder kurze Spazier- und Weidegänge mit ihrem Reiter unternehmen durften.
Die Psyche des Dunkelbraunen hat scheinbar durch die schlimmen Verletzungen aber nicht gelitten, ganz im Gegenteil. Die schwere Zeit haben Reiter und Pferd noch enger zusammen geschweißt. „Ich glaube, Elton geht im wahrsten Sinne des Wortes für mich durchs Feuer. Er strahlt eine Dankbarkeit aus, und er weiß genau, dass er sich auf mich verlassen kann.“ Ohne Probleme geht Elton John auf den Pferdehänger oder Transporter. Auch der Umgang mit ihm ist einfach, selbst am Kopf. Er genießt es sogar, wenn er dort sanft gebürstet wird. Auch Ohren-Kraulen steht bei dem Braunen hoch im Kurs. Außerdem ist er sehr verschmust und entlockt mit seinem Charme den Bezugspersonen schon mal das eine oder andere Leckerlie.
„Natürlich spreche ich auch mit ihm und versuche, ihn beim reiten nicht zu überfordern.“ Langsam hat Forkert im Frühjahr 2007 wieder begonnen, mit Elton John zu trainieren. Dazu waren natürlich besondere Maßnahmen nötig, denn die Zäumung durfte ja keine Schmerzen im Maul und am Kopf verursachen. „Um ihn vor Staub und Fliegen zu schützen, haben wir ihm eine spezielle Maske anfertigen lassen, und damit bin ich auch wieder die ersten Turniere geritten.“ Die Maske ist fast zu seinem „Markenzeichen“ geworden, und sie wird es im Sport wohl auch bleiben.

